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In meinem Kopf schwirrte schon länger der Gedanke einen 100 km Lauf zu absolvieren. Biel, der Comrades oder was ähnliches. Heuer nach dem Rotterdam Marathon bot sich dazu die Gelegenheit. Ich hatte seit Jänner trainiert, der Marathon war vorbei und es waren noch 9 Wochen bis zum 100 km Lauf in Wien. Deshalb Trainingsplan gesucht und danach trainiert. Der wesentliche Unterschied zum Marathontraining ist, dass man sich daran gewöhnt sehr langsam und auch sehr lang zu laufen. Als superlanger Lauf entwickelte sich die Strecke von Hötting entlang der Nordkette nach Hall, den Inntal-Radweg weiter nach Wattens, dann zurück über Mils, dem Inn entlang bis in die Stadt, durch die Stadt bis Völs und weiter nach Hause. Eine Strecke von 61 km mit 600 Hm für die ich ungefähr 6 h unterwegs war. Nachdem ich das Training verkraftete entschloss ich mich Anfang Mai mich in Wien zu melden und auch bei der Meisterschaft zu starten.

Am Renntag nieselte es um 5h. Er war nicht kalt, man wurde aber schnell durch und durch nass. Dann um 6h der Startschuss und alle machten sich viel zu schnell auf den Weg. Ich lief die erste Runde in einem 5er Schnitt, also viel zu schnell, bremste mich aber sofort auf 5:30 ein. Das sollte für mich, laut Training, ein Schnitt sein den ich lange laufen kann. Der Regen dauert ca. 2.5 Stunden an, dann war es noch eine Stunde schwül und gegen 10 setzte sich dann die Sonne durch und es wurde trotz des Schattens im Prater recht warm.

Bereits nach 20 km (ca 2h) stellte ich fest, dass ich heute nicht sonderlich gut drauf bin, hatte deshalb auch schon mein erstes Tief, da ich wusste dass noch 80 km vor mir liegen. Ich wurde sukzessive langsamer, erreichte aber den ersten Marathon (17 Runden) in 4h06, was in etwa meiner geplanten Renneinteilung entsprach. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt bereits so müde, dass ich ernsthaft anzweifelte die letzten 60 km schaffen zu können. Zu diesem Zeitpunkt hab ich mir dann vorgenommen mindestens 60 km vollzumachen und zu versuchen in etwa das Tempo zu halten. Ich lief weiter konnte aber nach 60 km nur mehr mit einer 7er Pace laufen.

Die Kilometer zwischen 60 und 80 km waren dann die Schwierigsten, das Ziel war noch weit und unter normalen Umständen hätte ich den Lauf abgebrochen. Nach jeder Runde musste ich eine knappe Minute zum Essen und Trinken stehen bleiben. Es war bereits Mittag und deshalb auch recht heiß. Ab km 70 kam wieder etwas Leben ins Rennen, die Ersten finishten bereits, was die Motivation zum weiter laufen hob. Da ich immer nur an die aktuelle Runde dachte und da eine Runde nur 2.5 km war kam ich langsam aber sicher doch weiter. Ab km 80 kam langsam Hoffnung auf es doch schaffen zu können. Die Kilometer zwischen 80 und 90 waren dann auch recht interessant, da das Hauptfeld nun finishte und so im Start-Ziel Bereich zum Teil recht hektisches Treiben herrschte. Ab km 90 wurde es dann wieder ruhiger. Für mich kam aber jetzt langsam die Gewissheit auf, dass ich finishen werde. Ich hatte noch 2 h Zeit und 10 km kann man notfalls auch in 2 h gehen. Das war dann nicht notwendig, ich konnte die letzten Runden sogar noch etwas zulegen.
Mit 11:10 erreichte ich dann „fix und foxi“ und zufrieden das Ziel. Mit dieser Zeit wurde ich 27-ter von 49 gestarteten 100 km Läufern, 16 Läufer finishten nicht. In der M50 war ich damit 4-ter. In der ÖM belegte ich Platz 19 von 31 Startern und in der M50 Platz 2. Die M50-Wertung stellt zugleich die diesjährige TM Ultralauf da, die beiden Platzierten sind Tiroler Meister und Vizemeister im Ultralauf.

Martin Mössner